fine art photographie by florian beck

Februar 2006 - Kornhaus, Wangen

Ausstellung vom 03.02. bis 28.02.2006
Bücherei im Kornhaus Postplatz 1, 88239 Wangen
Vernissage Fr. 03.02.2006, 20.00 Uhr

Schwäbische Zeitung vom 06.02.2006 - Ausgabe Wangen
So kontemplativ kann Fotografieren sein.

WANGEN - Menschen, Landschaften und Architektur, aus ungewöhnlichen Blickwinkeln mit der Digitalkamera aufgenommen, sind die bevorzugten Motive des Fotografen Florian Beck. Einen Querschnitt aus seinem Werk der letzten vier Jahre zeigt die Bücherei im Kornhaus in ihrer Ausstellung, die am Freitag mit regem Publikumsinteresse eröffnet wurde. Von unserer Mitarbeiterin Babette Caesar Florian Beck, 1973 in Isny geboren, in Wangen aufgewachsen und zur Schule gegangen, nimmt es recht genau. Das Fotografieren und die erforderliche technische Ausstattung als auch die jetzige erstmalige Präsentation seiner Bilder. "Von der Einladungskarte über die Auswahl und die Hängung bis hin zum Buffet und zur musikalischen Begleitung von Dieter Melzer am Piano hat er das perfekt gemacht", so Büchereileiterin Gisela Stetter, die ihn seit Kindertagen aus eben diesen Räumen kennt. Dabei ist dem in Hamburg, Ulm und Tübingen ausgebildeten und promovierten Mediziner, der derzeit in Ravensburg im Elisabethen-Krankenhaus als Anästhesist tätig ist, die menschliche Seite nicht abhanden gekommen. Im Gegenteil - er beantwortet zuvorkommend und ausführlich alle Fragen, ob es nun um die Lokalisierung der steinernen Ruine "Abbaye de Beauport" geht oder um das so genannte Sandwich-Verfahren, bei dem einfach ausgedrückt aus zwei Aufnahmen eine hergestellt wird. Wie im Falle erwähnter Abtei geschehen, in die er durch den Sucher zentralperspektivisch hinein geschaut hat und einmal der Wolken verhangene Himmel belichtet wurde, das andere Mal die Architektur als solche. Kommt beides auf dem Wege digitaler Nachbearbeitung aufeinander zu liegen, erhält das fertige Produkt eine stark mystische Note. Zur Einführung sprach der in Budapest und Berlin beheimatete Andrej Stuchlik, Freund des Künstlers. Er verwies auf die kontemplative Ausstrahlung der 18 Arbeiten, die vornehmlich in Schwarz-Weiß aufgenommen und teilweise getont sind. Am Tonen zeigt sich Florian Beck besonders interessiert, denn dieser Eingriff verändert den Charakter des Bildes. Ähnlich den drei weiblichen Akten und dem hellen Oval eines aus dem Dunkel der Umgebung auftauchenden Gesichts im Halbprofil, bei denen es sich um hochwertige Drucke auf Carbon-Papier handelt. Ihre dadurch sehr stofflich wirkenden Oberflächen erinnern ihn an die Arbeiten des renommierten amerikanischen Altmeisters Ansel Adams und dessen wie zum Greifen nahen und höchst lebendigen Landschaften. Beck strahlt ein erlangtes Gleichgewicht zwischen technischem Wissen und photographischem Einfühlungsvermögen aus, das nicht nur nach dem immer Neuen und Besseren Ausschau hält und ebenso wenig die Jagd nach Effekt haschenden Motiven aufnimmt. Seine Szenerien bewegen sich in einer konzentrierten Stille, wobei die Akte - insbesondere "Diagonal Nude" und die "Begegnung" einer weiblichen Brust mit einem Maiskolben - mit zu den spannendsten gehören. Auch die Technik erzählt Aufschlussreich sind, was den Entstehungsprozess betrifft, Becks jeweilige Angaben zur Kamera, Blende und Belichtungszeit wie im Falle des "Steinmännchens", aufgenommen in "Ponte Brolla im Tessin, Juni 2002, mit einer Sony DSC-F707. 1/80s, Blende 8, ISO 200, The Gimp."

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